Autoren der Studie:
Michalak M, Aranmolate L, Bonn B, Grandin K, Schleip R*, Schmiedtke J, Quassowsky S & Teismann T. In: Cognitive Therapy and Research (2021), https://doi.org/10.1007/s10608-021-10282-w
Hintergrund
Das myofasziale System spielt eine fundamentale Rolle in der Mechanik des Körpers, in der Regulation der Körperspannung und in der Ätiologie von pathologischen Zuständen wie chronischen Schmerzen. Außerdem enthält es kontraktile Elemente, und erste Hinweise deuten darauf hin, dass seine Eigenschaften mit psychologischen Faktoren zusammenhängen. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, die Merkmale des myofaszialen Gewebes bei Patienten mit Major Depressive Disorder (MDD) zu untersuchen und zu prüfen, ob der Zustand des myofaszialen Gewebes einen kausalen Einfluss auf pathopsychologische Prozesse bei MDD hat.
Methoden
In Studie 1 wurden die Steifigkeit und Elastizität des myofaszialen Gewebes von 40 stationären Patienten mit MDD, die mit einem Tissue-Compliance-Meter gemessen wurden, mit denen von 40 vergleichbaren nicht depressiven Teilnehmern verglichen. In Studie 2 wurden 69 MDD-Patienten nach dem Zufallsprinzip einer Einzelsitzung Selbst-Myofascial-Release-Intervention (SMRI) oder einer Placebo-Intervention zugewiesen. Untersucht wurden die Auswirkungen auf Gedächtnisverzerrungen (memory bias) und Affekte.
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigten, dass MDD-Patienten eine erhöhte Steifheit und eine geringere Elastizität des myofaszialen Gewebes aufwiesen und dass die Patienten in der SMRI-Gruppe im Vergleich zu den Patienten in der Placebo-Bedingung eine geringere negative Gedächtnisverzerrung und einen positiveren Affekt zeigten.
Schlussfolgerungen
Die vorläufigen Ergebnisse unserer Studien deuten darauf hin, dass das myofasziale Gewebe Teil einer dysfunktionalen Körper-Geist-Dynamik sein könnte, die MDD aufrechterhält.
Die Publikation ist online abrufbar und steht zum Download zur Verfügung.
Weitere Informationen:
https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10608-021-10282-w